Vor ungefähr zwei Wochen las ich ein Buch von G. Papini, in dem dieser interessante Gedankenspiele in Kurzgeschichten vorstellt. Thema aller Geschichten ist der Sinn des Lebens. Dabei beschäftigt er sich vor allem mit der Frage, ob wir unser Leben überhaupt richtig leben können, oder in unserer ständigen Zukunftsplanung und Vorsorge unser eigentliches Leben, welches ja in der Gegenwart stattfinden sollte, der Zukunft opfern.
Bei gemütlichem Kerzenlicht, dachte ich über die soeben vollendetet Geschichte nach und kam zu dem Schluss, dass ein dumpfes Dasein, ohne Gefühle und Erlebnisse nicht erstebenswert ist. Dass Freude, Liebe aber auch Angst oder Schmerz zu dem Leben dazugehören müssen. Dass ich letztere Empfindung nur wenige Minuten später in ganz ausgeprägter Form erleben sollte, ist die zwanghafte, ironische Folge, meiner Dummheit.
Ich ging in die Küche, um etwas zu trinken und redete anschließend noch mit Joss. Der aufmerksame Leser kann sich vielleicht schon denken, was ich in meinem Zimmer vorfand, als ich zurückkam, da ich den Schmerz sowie das gemütliche Kerzenlicht in meinem Zimmer schon erwähnt hatte.
Die Kerze war selbstverständlich umgefallen und mein Vorhang brannte nicht schlecht. Meinem ersten Gedanken „Löschen, löschen“ folgend, schlug ich reflexartig auf das brennende Plastik-Stoff-Gemisch- und da war er- der Schmerz.
Lachend saß ich am nächsten Tag auf meinem Bett, als ich darüber nachdachte, was das Leben manchmal für Streiche spielt. Aufgehört zu lachen habe ich dann, als Papini die Hauptfigur der nächsten Kurzgeschichte die ich las, eine Hand ins Feuer halten ließ und das verbrennen dieser und den Schmerz beschrieb.
Mittlerweile geht es meiner Hand aber wieder sehr gut, sodass ich mich auch wieder den schönen Seiten den Lebens widmen kann. Die „Streiche“ hörten damit aber nicht auf. Mit Joss wollte ich vergangenen Samsatg zu einem Konzert gehen, zu dem verschiedene Fundacionen, die mit behinderten Kindern arbeiten, eingeladen waren. Zu geniessen war die ecuadorianosche Volksmusik aber eher weniger, sodass Joss und ich uns nicht in den Tanz der meist über 60jährigen anderen Zuhörer einreihten.- Ein Fehler. Dem Moderator war selbstverständlich aufgefallen, dass die beiden „Gringos“ nicht getanzt hatten, und seiner Aufforderung und dem Druck des Publikum konnten wir uns nicht wiedersetzten, sodass ich mich eine Minute später mit Joss auf der Bühne wiederfand, tanzend mit einigen behinderten Kindern und beklatscht von den 150 Zuschauern. Ja auch Peinlichkeiten gehören zum Leben dazu.
Dienstag, 26. Februar 2008
Montag, 11. Februar 2008
Ambato-Karneval
In Ambato, dem „Kölle“ von Ecuador, feierten wir am letzten Wochenende Karneval.
Mit der Ausnahme dass Alkohol auch in Ecuador zu dieser Feier eine größere Bedeutung spielt, findet man eher weniger Gemeinsamkeiten zum deutschen Karneval. Selbstverständlich konnten wir auch prächtig geschmückte Wagen und die darauf weniger geschmückten Frauen bewundern. Der Brauch sich zu Verkleiden ist hier aber völlig unbekannt. Allerdings wäre hier eine Verkleidung auch Verschwendung. Nach Karneval würden hier Cowboy oder Rotkäppchenkostüme alle im Müll landen. Die bösen Geister vertreibt man hier lieber durch direkten Angriff: In Quito harmlos mit Wasserschlachten oder in Riobamba mit Mehl und Eiern, jede Stadt hat hier seine eigenen Methoden. Die spaßigste jedoch sicher in Ambato. Voll ausgerüstet mit Schaumsprühflaschen wagten wir uns in die überfüllten Straßen Ambatos und überraschten doch den ein oder anderen Ecuadorianer, der in uns ahnungslose und unbewaffnete „Gringos“ vermutet, mit einem harten Verteidigungsschlag, an dem sich wir 5 WGler und die uns begleitenden 4 Couchsurfer beteiligten. Über Stunden zogen sich die Schaumschlachten hin, wurde gelacht, geschrien, sich mit neuem Schaum versorgt und ordentlich eingeseift. Hinterher sah man kaum Menschen, die nicht wie wandelnde Schaumwolken aussahen.
Nur während des Umzugs wurden die Sprühflaschen beiseite gelegt, sodass man die Wägen und die Tanzgruppen, unter denen sich sowohl traditionelle ecuadorianische als auch polnische Tanzgruppen befanden, bestaunen konnte.
Kareval in Ecuador hat sich auf jedenfall gelohnt! Interessant ist auch, dass ausgerechnet Karneval und Silvester in diesem streng katholischem Land so ausgiebig gefeiert wird, während Ostermontag hier mancherorts kein Feiertag ist.
Samstag, 26. Januar 2008
Canoa
Seit 3 Wochen wohnen Max und Sascha nun schon in der WG. Während Joss noch ein paar Wochen bleibt, ist Ole schon ausgezogen. Die WG hat sich also stark verändert, der WG-Alltag aber nicht. Fundacion, Couchsurfer und die freundlich und lustige Atmosphäre sind immer noch genauso wie vorher.
Auch unsere Ausflüge gehen weiter. So waren wir vor in Otavalo, letztes Wochenende am Strand und Morgen geht es nach Papallacta, um etwas in den heißen Quellen zu entspannen.
Am Strand in Canoa besuchten wir Ole, der dort seinen Paragleitingschein macht. Eine Kostprobe dieses Vergnügens ließen wir uns natürlich auch nicht nehmen und so erhoben wir uns alle in die Lüfte, ließen die Klippe, von der wir starteten hinter uns, genossen den uns immer höher hinauftreibenden Wind, die Manöver unseres erfahrenen Flugpartners, den Strand unter uns und das atemberaubende, einzigartige Gefühl der Freiheit! Könige der Welt, das waren wir, während wir so leicht und elegant mit den Vögeln flogen und die Welt unter uns ließen.
Abends feierten wir an einer Strandbar Oles Abschiedsfeier, die dem gelungenen Tag einen spaßigen Abschluss setzte. Mit einer großen Gruppe feierten wir bis spät in die Nacht. Der nächste Tag sollte der schönste Strandtag werden den ich bisdahin in Ecuador erlebt hatte. Der hellblaue Pazifik, der weiße Strand, die Sonne waren perfekt, genauso wie der wunderschöne Sonnenuntergang.
In meiner Gruppe bin ich ziemlich stolz auf meine Kinder, die immer größere Fortschritte erziehlen. Jefferson, kann seine linke Hand mittlerweile ziemlich gut benutzen und arbeitet viel konzentrierter als früher. David und Wellington sind viel ruhiger und lieber geworden und auch sie haben immer besserer Arbeitsergebnisse. Von Maria kann man das auch behaupten, allerdings ist sie in letzter Zeit sehr egoistisch geworden und verärgert mit ihrer ungestümen Art oft ihre die anderen Kinder aus der Gruppe. Schade ist allerdings, dass sie keine Möglichkeit einer Sprachtheraphie hat, dann könnte sie sicherlich noch größere Sprachfortschritte machen.
Sonntag, 13. Januar 2008
Silvester und Besuch meiner Familie
Der erste Tag des neuen Jahres verlief sehr ruhig. Zwischen dem gemütlichen Frühstück und dem Kaffeetrinken, bei unserer herzlichen und uns stets unterstützenden Nachbarin, schlief ich die meiste Zeit. Mehr war nach dem ausgelassenem Feiern in der Nacht zuvor kaum möglich;-). Im „Comite de Pueblo“, einem armen Viertel im Norden Quitos, konnte ich zusammen mit Jenny, ihrer Familie, ihren Eltern, Großeltern, Onkel, Cousinen und Neffen feiern. Ein leckeres Essen (zur Feier des Tages gab es Hühnchen mit Reis;-) ), ein Spaziergang durch das Viertel, Tanzen auf der Straße und natürlich das Verbrennen einer Holzpappmascheepuppe, um seine schlechten Seiten zusammen mit dem scheidenden Jahr loszulassen, haben den ecuadorianischen Silvesterabend zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht!
Dass die Ecuadorianer richtig Feiern können, habe ich spätestens zu diesem Zeitpunkt gemerkt. Die Konsequenz davon spürte vor allem mein dröhnender Kopf am nächsten Morgen...
Der 1. Januar wäre also fast ereignislos an mir vorbeigezogen. Fast. Am Abend sollte mein Bruder Max und mein Vater am Flughafen ankommen. Recht nervös wartete ich in der Empfangshalle des Fughafens, ungläubig dass jeden Moment meine Familie aus der nur wenige Meter von mir entfernten Tür kommen sollte.
Zusammen mit den Beckers und meiner Familie verbrachten wir einen schönen Abend. Eigentlich war es, als seien nur wenige Tage vergangen seit dem ich Maxi und meinen Vater das letzte mal gesehen hatte. Auch wenn die Zeit mit den Beiden sehr kurz war, hat es sehr viel Spaß gemacht ihnen Quito und andere schöne Orte in Ecuador zu zeigen und sie an meinem Leben hier in Ecuador teilnehmen zu lassen. Die schöne Altstadt Quitos war eins unserer ersten Ziele. Auch auf den halb auseinander fallenden Turm der Kathedrale zu klettern ließen wir uns nicht nehmen, um den schönen Ausblick zu genießen. Nach einem Besuch in der Fundacion ging es am nächsten Tag los nach Mindo in den Nebelwald, wo wir an einem schönen Fluss waren und diesen auch einige Zeit bergauf durch das beeindruckende, dichte und tropische Dickicht folgten. Auch der zu Mindo dazugehörige Stromausfall am Abend blieb uns natürlich nicht erspart.
Von Mindo aus fuhren wir zur wunderschönen Lagune Quilotoa und genossen die atemberaubende Sicht vom Kraterrand der Lagune auf die hügeliche Andenlandschaft, die kleinen Felder, den Canyon, die zahlreichen Andenhüttchen und natürlich die Lagune selbst.
Wieder zurück in Quito, blieb uns nur noch der Sonntag, den wir dazu nutzten mit dem Teleférico, einem Lift, auf den Pinchincha zu fahren. Auf 4100m angekommen dehnte sich Quito unter uns aus. Die Enden im Norden uns Süden waren dennoch nur zu erahnen.
Mal wieder war die Zeit viel zu schnell vergangen. Schon am nächsten Morgen flogen mein Vater und Maxi schon wieder nach Deutschland zurück. Der Abschied war nicht ganz leicht, doch die Zeit hat sich gelohnt!
Die Bilder
Sonntag, 30. Dezember 2007
Dezember
Schon wieder geht ein Monat mal wieder viel zu schnell zu Ende. Diesmal mit großen Veränderungen. Ole und Joss werden im Januar auf Reisen gehen, nach Kolumbien bzw Peru und die beiden Neuen Max und Sascha kommen an. Dabei waren Niklas und ich doch vor kurzem noch die Neuen...
Der Dezember war ein sehr vielseitiger Monat. Mit zahlreichen Couchsurfern(wir waren 14 Leute in der WG) hatten wir in der ersten Dezemberwoche bei zahlreichen Konzerten und Partys viel Spaß bei den „Fiestas de Quito“ Eine Woche lang hat die Stadt von Morgens bis spät in die Nacht direkt vor unserer Haustüre gefeiert. Für unsere direkt an die Fiestas anschließende Cotopaxi-Besteigung, hätte man sich sicherlich eine bessere Vorbereitung vorstellen können , aber erfolgreich waren wir wie ihr wisst ja trotzdem!
Doch auch weniger schöne Erlebnisse haben zum Dezember dazugehört. So mussten wir einige gute Freunde aus dem Haus aus dem Süden verabschieden. Max hat sich in Richtung Mittelamerika verabschiedet. Und Julia wollte sich einfach nicht davon abhalten lassen, wieder nach Deutschland zurückzukehren.
Die „Weihnachtszeit“ hat man selten wirklich gespürt. Obwohl wir mit 15 Grad und viel Regen fast an Deutsche Dezemberverhältnisse herangekommen sind, gab es doch auch immer wieder warme, sonnige Sommertage. Auch in der Fundacion gab es viele Weihnachtsveranstaltungen für die Kinder. Doch die furchtbar hektisch blinkenden und singenden Lichterketten und die hässlichen Plastikweihnachtsbäume, die man überall in Quito gesehen hat, haben einem dann auch keinerlei weihnachtliche Stimmung vermitteln können.
Heilig Abend hingegen war auch ohne eigene Familie, Weihnachtsbaum und Bescherung sehr schön. Zusammen mit Joss Eltern und seinen Schwestern haben wir ein richtig leckeres Menu gekocht, viel gesungen und gespielt. Mithilfe eines provisorischen Adventskranzes und mitgebrachten Weihnachtsplätzchen wusste man dann sogar was für ein Fest man gerade feiert.
Ein sehr gemütlicher, schöner und gelungener Abend.
Jetzt steht das neue Jahr also vor der Tür. Silvester werde ich vermutlich mit der Familie von Jenny feiern(da wo ich eine Woche gewohnt habe) Am 1. Januar kommen dann schon mein kleiner Bruder und mein Vater für eine Woche. Die beiden wiederzusehen, ihnen Quito und ein paar andere Orte in Ecuador zu zeigen, wird sicherlich sehr schön. Und dann kommen ja schon Max und Sascha...
Das neue Jahr bringt also viel Neues. Ich bin schon mal gespannt. Euch allen wünsche ich natürlich auch einen guten Rutsch ins neue Jahr, welches hoffentlich viel Gutes für euch bereit hält!
Freitag, 28. Dezember 2007
Ibarra
Ab dem kommenden August wird die Ecuador-Connection 4 weitere Zivis an die staatliche Organisation „Circulo de Recreaciòn Y Aprendizaje“ (CRA) schicken. Unsere Vorgänger Dominik und Peter hatten das Projekt entdeckt, zunächst privat unterstützt und nun schließlich an die Ecuador Connection vermittelt.
Wie in der Woche vor uns Joss und Ole, sollten anschließend Niklas und ich dort Probearbeiten, um Informationen für die EC und die neuen Zivis zu sammeln, um diesen den Einstieg so leicht wie möglich zu machen.
In dem Projekt werden Kinder von 3-5 Jahren in den sozial schwächsten Gebieten der Region Ibarra betreut, unterstützt und gefördert. In 38 verschiedenen Gemeinden profitieren die Kinder von der Gemeinschaftsarbeit zwischen den Pädagogen von CRA und den Eltern der Kinder.
Ich arbeitete den Großteil meiner Zeit in der kleinen Gemeinde Carpuela. Dort angekommen hatte ich das Gefühl eine kleine Weltreise gemacht zu haben und irgendwo in Afrika gelandet zu sein. In Capuela wohnen ausschließlich Afroecuadorianer.
Camita ist die CRA Mitarbeiterin in Carpuela, die dort für 3 Gruppen zuständig ist. Zweimal am Tag, einmal Vormittags, einmal Nachmittags ist jeweils eine Gruppe dran.
Die Arbeit dort mit den Kindern hat viel Spaß gemacht. Mit viel Gesang, kleinen Auflockerungsspielchen und kurzen Pausen, hatten die Kinder zwischen den eigentlichen Aufgaben immer wieder Zeit auszuruhen, zu spielen und zu toben.
Zusammen mit einigen Eltern und Camita half ich bei den Bastel- und Malarbeiten und fehlte natürlich auch nicht bei Sing- oder Tanzspielen.
Bei Fußball, Fangen und anderen Spielen vor und nach der eigentlichen Betreuungszeit hatten die Kinder jedes mal viel Spaß.
Für jede Gruppe ist eigentlich ein Zeitraum von 3 Stunden eingeplant. Da die Kids aber frühestens eine halbe Stunde nach eigentlichem Beginn kamen und in der letzten halben Stunde gegessen wurde, war die Zeit mit den Kindern immer recht knapp. Allerdings denke ich dass die künftigen Zivis bei CRA, diese kurze Zeit sehr effektiv nutzten können, wenn sie eigne Ideen haben und selbst kleine Projekte mit den Kindern starten. Die Möglichkeiten sich selbst dort einzubringen und nicht nur als Unterstützende Kraft mitzuwirken sind riesig. Einmal in der Woche treffen sich alle Mitarbeiter von CRA im Büro, um die kommende Woche zu planen und Fragen zu klären. Dort eigene Vorschläge zu präsentieren wird von den Mitarbeitern sicher freudig aufgenommen.
Der Zusammenhalt zwischen den Mitarbeitern ist groß und das Arbeitsklima immer freundlich und sehr angenehm. Sicher liegt das auch an dem gemeinsamen Fußball, Volleyball und Basketballspielen aller CRA Mitarbeiter. Mehrmals in der Woche trainieren sie zusammen und spielen sogar auf kleinen Turnieren oder Freundschaftsspielen gegen andere Mannschaften.
Außer Carpuela habe ich nur noch eine andere Gemeinde in Ibarra kennengelernt, wo die Arbeit im Prinzip recht ähnlich war: Viel Gesang und Bastelarbeiten(wir haben aus Plastikbechern und Seilen, Telefone gebaut)
Krankheit und einigen Missverständnisse trübten die zweite Hälfte der Woche etwas. Weitere Gemeinden konnte ich dann leider auch nicht mehr kennenlernen.
Dennoch konnte ich eine abwechslungsreiche Woche erleben, einmal aus dem Fundacionsalltag ausbrechen und ein neues und interessantes Projekt kennenlernen. Ausserdem hatte ich ein zweites mal die Möglickeit in einer ecuadorianischen Familie zu wohnen( Ich war bei Camita und ihrer Familie untergebracht)
Gelohnt hat sich die Woche auf jeden Fall. Nochmals dort hinfahren werde ich sicherlich.
Donnerstag, 13. Dezember 2007
Cotopaxi
Die ersten 10 Minuten spazieren wir fast, es ist eigentlich doch ganz nett bis zur Schneegrenze. Dort befestigen wir unsere Steigeisen an unseren Schuhen und teilen uns in zwei Gruppen auf, sichern uns mit Seilen ab. Sven und Niklas sowie Ole und ich jeweils mit unseren Führern.
Schritt für Schritt arbeiten wir uns den Berg hoch. Mit der Zeit geht es immer besser. Auch das Wetter spielt plötzlich mit. Bei sternklarem Himmel und klarer Sicht macht das klettern richtig Spaß! Unwirklich ist das was ich sehe. Vor mir schlängelt sich eine ganze Karawane leuchtender kleiner Punkte durch die Dunkelheit den Berg hoch. Was ich sehe sind die Stirnlampen, der anderen Klettertruppen, die vor uns gestartet sind.
Auf einmal habe ich einen richtigen Rhythmus gefunden. Obwohl der Aufstieg an meinen Kräften zehrt, merke ich kaum wie steil die Strecke ist.
Ein Schritt mit dem linken Bein- Einatmen-Ausatmen-Einatmen-Austamen- Ein Schritt mit dem rechten Bein-Einatmen...
Richtig schnell sind Ole und ich! Eine Gruppe nach der anderen lassen wir hinter uns, die ersten Abbrecher kommen uns entgegen.
Einatmen-Ausatmen...
Nur 2 kurze Pausen bringen uns aus dem Rhythmus wieder raus. Pausen sind schlecht, dannach fällt das weitergehen immer schwerer.
Nach 4 Stunden, oder waren es nur 2? oder 5? ein ganzer Tag? Die Zeit ist verschwommen, unklar, nicht mehr einschätzbar, erreichen wir eine kleine Kuppe, es fängt an zu Dämmern, es wird sogar richtig hell, in nur wenigen Minuten. Ich spüre Erleichterung. Vor uns ist der Gipfel zu sehen! Spätestens jetzt weiß ich dass ich es schaffe. Nur noch eine halbe Stunde, ganz sicher! Fast. Was ich noch nicht wusste: der schwierigste und steilste Teil liegt noch vor mir. Die nächsten 2 Stunden sollten sich zur größten Anstegnung meines Lebens entwickeln, zu einer reinen Qual. Warum mache ich das eigentlich? Bei jedem Blick nach oben entfernt sich der Gipfel weiter, nach jeder neuen Kuppe sieht man nur den nächsten Hügel, einen neuen Abschnitt, eine weitere Tortur. Dreimal Atmen- linkes Bein- dreimal atmen- rechtes Bein. So kalt war mir noch nie. Die Luft wird dünner. Fünfmal atmen- linkes Bein... Meine Füße sind Eisklumpen, ich habe Kopfschmerzen, kann meine linke Hand kaum bewegen. Und immer weiter, Schritt für Schritt dem Ziel entgegen.
Und dann plötzlich sind wir oben, unglaublich, nach 6 Stunden erreichen wir die höchste Stelle des Kraterrandes. 5897m. Glück durchströmt mich. Die Sonne scheint, mehere Kilometer unter uns ist erst eine Wolkendecke, später die unglaublich schöne Landschaft des Nationalparkes zu sehen. Immer wieder taucht aus dem Nebel auf der anderen Seite der Krater hervor, weit im Süden, durchbricht der Chimborazo, Ecuadors höchster Berg, die Wolken.
Atemberaubend! Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber wir haben es wirklich geschafft.
Alle vier.
Als ich am Nachmittag wieder in unserer Wohnung ankomme, ist das was nur wenige Stunden vorher passiert ist, schon unwirklich, unglaublich geworden.